Diözesan- und Jugendtag 2026 in Stödtlen

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DJK-Vereine erfüllen wichtige Funktionen für die Gesellschaft

Vieles liegt aktuell im Argen – da waren sich alle Rednerinnen und Redner am Diözesantag einig: die vielen Kriege auf der Welt, das Verblassen verlässlicher internationaler Bünd-nisse, die wirtschaftliche Unsicherheit mit ihrem massiven Stellenabbau, das Erstarken populistischer Parteien, die Ohnmacht gegenüber dem Klimawandel, das Gefühl, jede und jeder sei sich nur noch selbst die oder der Nächste…

„Die christliche Wertegemeinschaft bröckelt ebenso wie die staatliche Wertegemeinschaft“ zog Landrat Dr. Joachim Bläse in seinem Impulsreferat am Nachmittag nüchterne Bilanz: Wie viele Menschen seien wirklich noch „aktive und überzeugte Mitglieder von Kirche und Staat“? Zwar könnten „Staatsmitglieder“ nicht so einfach austreten wie Kirchenmitglieder aus der Kirche, die Problematik sei aber ähnlich: ein immer größerer Teil der Bevölkerung habe sich „vom Staat verabschiedet“, sei „demokratiemüde“ und habe bei der vergangenen Landtagswahl „nicht-demokratische“ und nicht am Wohl der Menschen ausgerichtete Kräfte gewählt.

Was hilft? Landrat Dr. Bläse zeigte sich überzeugt: Es brauche dringend „Orte, an denen sowohl Werte als auch Demokratie „aktiv praktiziert und gelernt werden können“ – Orte, wie beispielsweise die DJK-Vereine.
Am Veranstaltungsort, beim SV DJK Stödtlen, lässt sich gut ablesen, was damit gemeint ist: Jan-Erik Bauer, Bürgermeister der Gemeinde Stödtlen, betonte in seinem Grußwort den enormen Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements in der Gemeinde: die Vereine übernähmen die große Verantwortung, Kindern und Jugendlichen „wichtige Werte“ mitzugeben. Nicht zuletzt angesichts des vor zehn Jahren gebauten eigenen Vereinsheims, der umfangreichen Sportstätten und des lebendigen Vereinslebens werde deutlich, wieviel Menschen, die sich einbringen, gemeinsam schaffen können, unterstrich auch der Vorsitzende André Haßelkuß der DJK Stödtlen die wichtige Funktion der Vereine. Dabei gibt es in Stödtlen laut Pfarrer Jens Kimmerle eine enge Verbindung, ein „enges Miteinander bzw. Ineinander der Kirchengemeinde und des DJK-Vereins“: Trainerinnen und Trainer, die sich auch im Kirchengemeinderat engagieren, sportliche Jugendliche, die auch Ministranten sind und an beiden Orten Heimat finden.

Wie viel unter anderem DJK-Vereine dazu beitragen, dass alle Menschen am gesellschaft-lichen Leben teilhaben können, zeigten auch die Vereine, die für ihre „Gute Jugendarbeit“ ausgezeichnet wurden: die Aalener Sportallianz für ihre inklusiven Jugendsportgruppen, der DJK Sportbund Stuttgart für sein großes Engagement im schulischen Ganztag, die DJK Ludwigsburg für ihr vorbildliches Austauschprogramm mit der französischen Partner-gemeinde. „Für viele Kinder ist es selbstverständlich, ins Ausland zu fahren. Für viele aber auch nicht – und für die ist diese Fahrt nach Frankreich ein ganz besonderes Erlebnis“, berichtete der Ludwigsburger Vorsitzende Wolfgang Müller.

Dass die DJK-Vereine ihren Wirkungskreis nicht nur auf den Sport beschränken, zeigte auch das Beispiel der DJK Ebingen, die mit einer umfangreichen Müllsammelaktion im Wald erfolgreich am vom Diözesanverband ausgelobten Förderprogramm Nachhaltigkeit teilnahm. Weitere Maßnahmen sollen laut dem Zweiten Vorsitzenden Jürgen Langenkämper folgen, „denn die Bereitschaft der Vereinsmitglieder für diese Art des Engagements war groß!“

Mehr als 80 Delegierte und Gäste nahmen am Diözesantag teil, darunter rund 25 Jugendliche, die im Rahmen des parallel stattfindenden Jugendtags eine eigene Versammlung und eine unterhaltsame Stadtrallye in Dinkelsbühl mitmachen durften.

Die DJK Stödtlen verwöhnte alle mit vorzüglichen Brezeln, einem reichhaltigen Mittagessen und hervorragenden selbst gebackenen Kuchen. Für den spirituellen Impuls spazierten die Teilnehmenden in die nahe Leonhardskirche, wo Domkapitular Andreas Rieg, Geistlicher Beirat des Diözesansportverbandes, eine kurze Andacht zum Thema „Frieden“ hielt und damit auch die weltpolitische Lage in den Blick nahm – verbunden mit der Aufforderung, den von Christus zugesprochenen Frieden weiterzutragen und allen Menschen zu bringen.

Den Linus-Roth-Gedächtnispreis, die höchste Auszeichnung des DJK-Diözesansportver-bandes Rottenburg-Stuttgart, erhielt der stellvertretende Geistliche Bundesbeirat und Geistlicher Beirat des DJK-Diözesanverbandes Freiburg Pfarrer Erhard Bechtold für seinen großen Einsatz im Bereich „Kirche und Sport“. Jugendleiter Andreas Stöhr lobte in seiner sehr persönlichen Laudatio die Zugewandtheit des Preisträgers zu den Menschen, seine mitreißende Begeisterung für sportliche und Glaubensthemen und die bei Erhard Bechtold spürbare „große Hoffnung und Zuversicht, die sich offensichtlich aus seinem Glauben speist“.

Vielleicht ist das das Geheimrezept für die heutige Zeit? Wer sich mit anderen für andere engagiert, Selbstwirksamkeit erfährt und Gemeinschaft erlebt – nicht zuletzt auch Gemeinschaft im Glauben –, spürt einen Sinn im Leben. Einen Sinn, der Zuversicht weckt für den Weg, der die Mühe lohnt.

Sarah Kubin-Scharnowski